Alpen-Immobilien nach Brexit

Von Alpine Property intelligence - October 23, 2019 - Beitrag in Megève

Alpen-Immobilien nach Brexit

Alpen-Immobilien nach Brexit. Angenommen das Vereinigte Königreich (VK) verlässt die EU bald, wird es Veränderungen in Bezug darauf geben, in welchen Ländern VK-Einwohner als Nicht-Europäer Immobilien kaufen können. Wir sind uns ziemlich sicher, dass sich für gegenwärtige Besitzer von Ferienimmobilien in Europa im Allgemeinen kaum etwas ändern wird – aber wo kann man suchen und welche Optionen gibt es zukünftig? Wie wird sich dies auf Angebot und Nachfrage auswirken und gibt es einen Silberstreifen am Horizont?

Alpen-Immobilien nach Brexit

Alpine Property intelligence hat Hinweise und Ansichten von Partneragenturen in einigen Top-Skigebieten in der Alpenregion zusammengestellt. Wir hoffen, dass diese, zusammen mit unseren eigenen Beobachtungen, Käufern dabei behilflich sein werden durch diesen Umbruch zu navigieren.

Die Verunsicherung, wo vorhanden, ist darauf konzentriert wie dominant Käufer aus dem VK in bestimmten Regionen waren und wie sich dies verändert hat. Hat dabei der Umrechnungskurs eine Rolle gespielt und haben Besitzer aus dem VK sich dies zu Nutzen gemacht um ihre Immobilien zu verkaufen? Natürlich haben die meisten Skigebiete der Alpen eine wunderbare, internationale Mischung von Besuchern und Immobilienbesitzern, aber war diese international Präsenz genug, um den Interesseschwund von Käufern aus dem VK auszugleichen? Danach widmen wir uns der Zukunft – besteht eine angestaute Nachfrage? Wo können Nicht-EU-Einwohner Immobilien in den Alpen kaufen und, selbst wenn es schwieriger als vorher ist, gibt es Lösungen?

Alpen-Immobilien in Frankreich

Generationen von internationalen Käufern weltweit haben in Frankreich Besitz erlangt. Tatsächlich ist es seit Jahrzehnten einer der offensten Immobilienmärkte in Europa. Angesichts der Nähe zu den Nachbarn ist es nicht verwunderlich, dass bestimmte Teile des Landes bei britischen Käufern sehr beliebt sind.

Ski-Immobilien in Frankreich nach Brexit

Laut Pierre-Yves Cottet Puinel von der traditionsreichen Agence Olivier in Morzine haben britische Käufer im Laufe der Zeit rund 60% ihres Geschäfts repräsentiert, in jüngerer Zeit sind sie auf 35-40% zurückgegangen. Der Wechselkurs war ein Faktor, der dazu führte, dass mehr britische Eigentümer verkauften. Er weist jedoch darauf hin, dass es in Frankreich keine Hindernisse für Käufer von Nicht-EU-Immobilien gibt, dass Morzine eine treue Anhängerschaft hat und er ist überzeugt, dass die Nachfrage nach Investoren aufgestaut wird, die auf das Ergebnis der Verhandlungen warten, bevor sie sich verpflichten.

Sainte-Foy-Tarentaise war ein weiterer Favorit bei britischen Immobilieninvestoren. Als einzige engagierte Agentur im Skigebiet ist es ein Markt, den Marie-Agnès Gaden von Sainte-Foy Agence genau kennt. 70% ihrer Käufer kamen in der Vergangenheit aus Großbritannien, jetzt sind es rund 40%. Das Aufholen dieses Defizits, insbesondere seit der letzten Saison, hat das Interesse französischer, belgischer und spanischer Käufer mit einem guten Budget geweckt. „Die Eigentümer von Immobilien in Sainte Foy mögen es dort und haben keine Pläne zu gehen, und die britischen Eigentümer haben nicht mehr verkauft als gewöhnlich.

Megève ist ein bisschen anders, ein wahres Lifestyle-Reiseziel für die ganze Saison, mit einigen guten Skifahrern, und einem viel höheren Anteil französischer Staatsangehöriger als Stammgäste und Immobilienbesitzer. BOAN Immobilier verkauft dort seit über 50 Jahren Immobilien. In letzter Zeit haben sich die britischen Käufer nur wenig bewegt und liegen bei rund 15% ihrer Kunden. Trotzdem hat der Wechselkurs die Budgets etwas gesenkt, erklärt Emmanuel Boan, und da derzeit in Megève eine Menge auf dem Markt ist, wurden einige Angebote von Käufern aus Großbritannien akzeptiert, die unter dem geforderten Preis liegen. Auch er ist überzeugt, dass aufgestaute Nachfrage auf eine Lösung der Unsicherheit wartet.

Ski-Immobilien in der Schweiz nach Brexit

Britisches Interesse für Urlaubsorte in den Schweizer Alpen geht bis auf das 19. Jahrhundert zurück, sogar bevor Skifahren populär wurde. Der Immobilienmarkt in den Schweizer Alpen entwickelte sich zu einem sehr internationalen Markt, was zu Regulierungen führte, welche Besitz durch ausländische Käufer (Lex Koller) und Überbauung (Lex Weber) einschränkt. Nichtsdestotrotz repräsentieren Besitzer aus dem Vereinigten Königreich einen bedeutsamen Anteil des Marktes in vielen Ferienorten und dieser Trend ist dauerhaft und ist in den letzten Jahren sogar gestiegen. Die Schweiz ist bekanntlich nicht Teil der EU und war eines der ersten Länder, das Anfang 2019 bilaterale Verträge mit dem VK unterzeichnete, um die Rechte, die durch das Freizügigkeitsabkommen (FZA) zwischen der Schweiz und EU-Staaten erworben wurden, sicherzustellen. Dieses Abkommen deckt den Kauf von Immobilien in der Schweiz durch Bürger des VK und umgekehrt ab.

David Bhagat von Alpine Property Search erklärt was dies für Käufer und Besitzer von Schweizer Immobilien aus dem VK bedeuten wird.

Staatsbürger des VK, die keine Schweizer Einwohner sind werden keine Veränderungen sehen. Sie werden aufgrund des Lex Koller Gesetzes weiterhin eine Genehmigung zum Kauf von Immobilien beantragen müssen und dafür, dass diese Immobilie eine Urlaubsimmobilie von weniger als 200 m2 ist. Die Situation für Bürger des VK, die bereits Schweizer Einwohner sind oder kurz davor stehen, ist differenzierter. Wenn ein Staatsbürger des VK vor dem Austritt der EU ein Schweizer Einwohner ist, werden seine oder ihre Rechte Schweizer Immobilien zu erwerben durch das FZA bestehen. Sobald Brexit allerdings wirksam wird, werden Staatsbürger des VK, die Schweizer Wohnsitz annehmen, als Nicht-Schweizer Einwohner angesehen und werden den Lex Koller Regulierungen unterstellt sein. Dies gilt nicht für Staatsbürger des VK mit dauerhaftem Schweizer Wohnsitz (C-permit). Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass für Staatsbürger des VK mit Feriendomizilen und für Staatsbürger des VK, die in der Schweiz wohnhaft sind, keine Verpflichtung besteht ihre Schweizer Wohnimmobilien nach Brexit zu verkaufen.

Verbier ist eines der internationalsten Skigebiete in der Schweiz mit spitzen Ski-Referenzen und einer Gesellschaftsszene mit einem entsprechend lebhaften Immobilienmarkt. Es ist außerdem eines der fortschrittlichsten Skigebiete in Bezug auf eine kontinuierlich steigende Quote von Nicht-Schweizer-Käufern. Käufer aus dem VK machen 30-35% des Geschäftes von VFP Immobilier aus. Dies ist in letzter Zeit leicht zurückgegangen, hat aber – laut Michael Fellay – wohl eher etwas mit dem starken Schweizer Franken zu tun. Er weist darauf hin, dass Immobilienbesitzer in Verbier selten unter Druck stehen zu verkaufen, sodass der Markt im Allgemeinen stabil geblieben ist, vielleicht ein wenig schwach in der Mittelklasse aber das Luxussegment des Marktes ist solide. Nach Ansicht von Michael kann es sein, dass wir zukünftig als ein Nicht-EU-Land bessere bilaterale Verbindungen zwischen dem VK und der Schweiz sehen können.

Grimentz indessen, dieses hübsche Bergdorf und seinem Skigebiet, verzaubert Immobilienkäufer aus der ganzen Welt. Tarcise Genoud des örtlichen Bauunternehmer- und Immobilienmakler-Unternehmens Annimmob verkauft ungefähr die Hälfte seiner Immobilien an Käufer aus dem VK. Er ist zuversichtlich, dass es wenig Beeinträchtigung geben wird, er sieht keinen konkreten Wandel im gegenwärtigen Käuferverhalten und erwartet dies auch zukünftig nicht.

Alpine Property intelligence war jüngst in Andermatt und war sehr beeindruckt vom Ausmaß und Ehrgeiz des dort angelaufenen Projektes. Der Ort entwickelt sich in ein symbolträchtiges, qualitativ hochwertiges Schweizer Bergdomizil. Theresa Maria Puchner, Geschäftsentwicklungsmanagerin von ANDERMATT SWISS ALPS, schätzt, dass ca. 20% ihrer Käufer aus dem VK kommen – „sie lieben Andermatt und die Schweiz hat besonderen Reiz angesichts der Unsicherheit im VK. Was Andermatt unter anderem so besonders macht, ist dessen Freistellung von der Lex Koller Gesetzgebung. Jedermann jeglicher Nationalität kann hier kaufen und natürlich von der Sicherheit der Schweiz und des Schweizer Franken profitieren„, sagt sie. Preise in Andermatt steigen weiterhin da die großen Infrastrukturprojekte nun fertiggestellt sind und da der Urlaubsort bei lokalen und internationalen Besuchern und Investoren zunehmend beliebt ist. 50% der Besitzer hier sind aus dem Ausland und 50% sind Einheimische.

Ski-Immobilien in Österreich nach Brexit

Im Vergleich zu Frankreich und der Schweiz verfügt Österreich über andere Raffinessen. Fast zehn Jahre nach seiner EU-Mitgliedschaft hat Österreich endlich EU-Richtlinien in Bezug auf Besitz von Immobilien von Nichtansässigen aufgenommen. EU-Bürger können eine Skiimmobilie in jeder der neun Regionen Österreichs kaufen. Jede Region ist selbstverwaltet und hat ihre eigenen Regeln, die sich erheblich voneinander unterscheiden können. Im Allgemeinen muss es sich dabei um ein Feriendomizil handeln das für Ferienbedarf (Zweitwohnsitz) oder für Touristische Nutzung eingestuft ist, sodass die Immobilie zur Miete zur Verfügung steht. Während Nicht-EU-Bürger keine Immobilie in Tirol, Salzburg und dem Vorarlberg direkt besitzen können sind andere Regionen bereitwilliger Nicht-EU-Kaufanträge anzunehmen als andere, aber es gibt hierbei keine klaren Regeln ob eine Bewerbung erfolgreich ist oder nicht.

Eine häufig genutzte Ausweichlösung bietet sich durch eine Gründung einer EU-Firma mit Geschäftssitz innerhalb der EU. Es spielt dabei keine Rolle ob die Gesellschafter EU-Einwohner sind.

Die Wichtigkeit von Immobilienkäufern und Besitzern aus dem VK in Österreichischen Skigebieten hängt von der Region ab. In der Region um Kitzbühel beispielsweise kommt ein Großteil der Käufer aus Deutschland. Käufer aus dem VK machen nur 5% ihrer Kunden aus, sagt Thomas Neuner von Aurum Immobilien in Kirchberg in Tirol, einem wunderschönen und beliebten Dorf im Herzen der Kitzbüheler Alpen. Während daher Kunden aus dem VK sicherlich weniger aktiv sind als vor dem Referendum, ist die Auswirkung auf dem Markt nicht spürbar.

Käufer aus dem VK sind entscheidender in Zell am See, das – wie Kitzbühel – einen lebendigen Immobilienmarkt hat. Die Makler mit denen wir gesprochen haben, verzeichnen in den letzten Monaten einen spürbaren Nachfragerückgang in den mittleren und niedrigen Preissegmenten von Kunden aus dem VK. Ein wenig Last-Minute-Kaufinteresse ist auch zu verzeichnen und höherpreisige Immobilien finden nach wie vor Beachtung. Zum Glück für Zell am See gibt es eine breitgefächerte internationale Basis an Immobilienbesitzern und potenziellen Käufern aus Deutschland, Österreich, den Beneluxstaaten und ein steigendes Interesse aus Osteuropa.

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